Direkt zum Hauptbereich

- OMG

Der Nevigeser Mariendom ist das Werk eines einzigen Mannes. Kein riesiges Architekturbüro, kein CAD – ein Bleistift, ein Rapi, eine Rasierklinge, ein paar skizzenhafte Zeichnungen, ein Modell, ein guter Statiker, der nicht alles kaputt rechnete, und ein blinder, fast blinder Bauherr, der die eingereichten Modelle des Architekturwettbewerbs abtastete und sich für die Skulptur des später weltbekannten Architekten aussprach. Ob das wirklich so war, ist egal, Gottfried Böhm hatte das Vertrauen von Josef Kardinal Frings – und nutzte es. Der prämierte Entwurf war erst der Anfang. Die bis dahin fertigen Zeichnungen waren Anhaltspunkte, die großartigen Details wurden später entwickelt, und vieles wurde mehr oder weniger auf der Baustelle entschieden. Eigentlich sollte der Bau, so die Preisrichter, vereinfacht werden, Böhm machte das Gegenteil. – 1966 begannen die Bauarbeiten unter Protesten der Nevigeser Einwohner. Böhm hatte den Dom nach oben auf den Berg gelegt. Noch näher an der evangelischen Pfarrkirche dran ging nicht. Ein Affront. Die Protestanten tobten, die Einwohner demonstrierten, Böhm baute. So etwas hatte das mehrheitlich evangelische Kaff noch nicht erlebt. Ein Betonberg, ein »Affenfelsen«, ein grobes Gebilde ohne Kirchturm – das sollte eine Kirche sein? Die Menschen waren außer sich. Böhm ahnte vermutlich, dass er in die Geschichte eingehen würde, und übertraf sich selbst. – Jedes Detail kam von ihm: jede Tür, jede Türklinke, jeder Stuhl, jeder Handlauf, jedes Fenster, jedes Holzbrett, jede Treppenstufe, jeder Stein im Mittelschiff und in den Nebenräumen, die Lichteinfälle, die Akustik – nichts scheint willkürlich oder dem Zufall überlassen. »Der Böhm«, sagt Rosita, »war jeden Tag hier, kontrollierte alles, und wenn ihm etwas nicht gefiel – weg damit. Da wurde schon einiges abgerissen.« – 7500 Kubikmeter Beton wurden verbaut, über 500 Tonnen Stahl, und nach zwei Jahren (davon können Bauherren heute nur träumen) war der Berg fertig. Gewaltig: 50 Meter Länge, 27 Meter Breite, 34 Meter Höhe. Aus Beton. Beispiellos: das 2700 Quadratmeter große, vielfach gefaltete (inzwischen undichte) Dach, das auf den bis zweiundzwanzig Meter hohen Außenwänden liegt. – Wer durch die schwere Eisentür des Haupteingangs geht, betritt einen Vorraum mit einer beängstigend niedrigen Decke. An der Wand ein Frühstücksbrettchen (»Bitte leise«) und dann die Offenbarung: Ein Marktplatz mit Straßenlaternen und nicht endenden Wänden, die sich zum Himmel strecken, einem Himmel aus Beton, den man erst wahrnimmt, wenn man sich an die Dunkelheit gewöhnt hat, und dann denkt: »Mein Gott, ist das schön in Neviges.« – Wie kann man sich so etwas ausdenken – und bauen? Wie kommt man auf diese gut erdachten Stühle mit Kniebänkchen statt der üblichen Kirchenbänke? Auf den schlichten Altarblock? Auf die in den Wänden eingelassenen Lautsprecher und Handläufe? Auf die vielen Formen, die sich irgendwie zusammenfügen? Wie kriegt man die vielen Verwinklungen, die Verschiedenheit der Fenster, die zerklüftete, dreigeschossige Empore, die höhlenartige Intimität der Marienkapelle, die fröhliche Sakramentskapelle mit dem Rosenfenster unter ein Dach? Wie schafft man einen Dom, der kein Abklatsch der bekannten, großartigen Kirchenbauwerke ist, sondern besser? –Viele Jahre später: Der Dom ist undicht. Im Altarraum eine Blumenpottorgie, auf der Fassade eine aufgepinselte Rose, daneben ein verrostetes Ungetüm für Kerzen – und seit Jahren ein peinliches Gerangel ums Geld. Die Sanierung des Daches, kein großes Ding für ein weltberühmtes, einzigartiges Bauwerk, kostet ein paar Millionen, aber was ist das schon? »Die in Köln«, sagt jemand, »sollten sich was schämen, uns mit dem Dachschaden alleine zu lassen. Milliarden auf dem Konto und keinen Deut besser als die Bettler im Velberter Rathaus, die auch nur jeden Topf anpumpen können, weil sie sonst nix auf die Kette kriegen.« – Im Film Die Böhms war der Dom ungewöhnlich aufgeräumt. Der Meister, so munkelt man, war da, hat alles wegschaffen lassen, was sich angesammelt hatte. Die Blumenpötte, die Vasen, jedes schief liegende Gebetbuch, jeden Kerzenständer und jeden Pilger, der nicht ins Bild passte. Und die wenigen Nevigeser, die den Film gesehen haben, wunderten sich. »Geht doch!« – Gottfried Böhm, der große, inzwischen sechsundneunzig Jahre alte Mann, kam regelmäßig mit seinem Jaguar vorgefahren und guckte sich jede Veränderung an seinem Dom an, verhinderte aber weder die Rose auf der Fassade noch die »Kerzenkapelle« seines Sohnes Markus, der sich etwas austoben durfte, allerdings keine glückliche Hand hatte. Auch die Frühstücksbrettchen mit dem albernen Piktogramm ließ er durchgehen. Altersmilde? Oder keine Lust mehr, sich über jeden Blödsinn aufzuregen?
(Norbert Molitor: Im Kaff der guten Hoffnung. Piper Verlag)
Foto oben: wikipedia.org (bearbeitet)



Der große Architekt ist heute 100 Jahre alt geworden. Zuletzt war er 2019 in Neviges und hat die Sanierungsabeiten an seinem weltweit diskutierten Betondom mit kritischem Blick begleitet. Sein Kirchenhaus zählt zu den bedeutendsten Schöpfungen der Architekturgeschichte. 1986 erhielt er den renommierten Pritzker-Architektur-Preis. 1985 entwickelte er die Idee der gläsernen Kuppel über dem Berliner Reichstag. Seine Idee wurde den am Wettbewerb teilnehmenden Architekten als Information zur Verfügung gestellt.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Space & Science: UPDATE – erste Fotos und Informationen zur „gelartigen Substanz“ auf der Rückseite des Mond (27.September 2019) - OMG

Peking (China) – Ende Juli machte der chinesische Mondrover “Yutu-2” eine Entdeckung auf der Rückseite des Mondes, die bis heute selbst unter Wissenschaftlern für Rätselraten sorgt: Der Grund: Auße r einer Beschreibung einer sonderbar gefärbten gel-artigen Substanz, war bislang wenig über die Entdeckung bekannt. Jetzt liegen erstmals weitere Informationen vor. Um was es sich allerdings genau handelt, bleibt bis auf weiterhin rätselhaft. Die Entdeckung machte der Rover der “Chang’e-4”-Mission bereits am 25. Juli 2019 (einige Quellen sprechen auch vom 28. Juli). Die chinesische Raumfahrtbehörde CNSA berichtete erstmals über dem Fund in der in der chinesischen Publikation „Unser Weltraum“, ohne jedoch Aufnahmen oder weiterführende Informationen über die als „gel-artig“ (jiao zhuang wu) und von ungewöhnlich (orangener?) Färbung beschriebene Substanz zu erläutern. Im einer Art Online-Tagebuch der Mission haben die chinesischem Missionswissenschaftler nun erstmals weitere Fotos und Da...

Saudi-Arabien gibt die Niederlage im Jemen zu und fordert Friedensverhandlungen - OMG

Nun ist eingetreten, was Nasrallah, Chef der Hisbollah, vor vier Jahren bei Beginn des Krieges gegen den Jemen prophezeit hat. Er sagte, dass die Saudis eine schmähliche Niederlage erleben werden. Das wird wohl auch das Ende für die Clownprinz sein. Und die American friends haben auch keine andere Wahl, als Frieden zu stiften, wenn sie nicht etliche der neuen Langstreckenraketen auf ihre großen Basen einfangen wollen.   Moon of Alabama 29. August 2019 Aus dem Englischen: Einar Schlereth Saudi Cr(l)ownprince MbS Vor zwei Wochen haben wir geschrieben , dass der Krieg gegen den Jemen bald enden wird. Die Saudis verloren ihre Verbündeten, sie verloren den Krieg und mussten auf Frieden bitten. Sie tun dies jetzt. Aber der Kampf im Jemen wird weiter gehen, bis dieses Land ein neues Gleichgewicht findet. Heute bombardierte die Luftwaffe der Vereinigten Arabischen Emirate die jemenitischen Stellvertreter ihres "Verbündeten" Saudi-Arabien:  "Die internationa...

Erleuchtung aus deiner Frequenz erschaffen durch Lord Buddha - gechannelt durch Natalie Glasson - 30.8.2019 - OMG

Grüße und göttliche Segnungen kommen von meiner Essenz zu dir, ich bin Lord Buddha. Heute möchte ich dich auf eine Reise der Entdeckung dessen einladen, was DU BIST, was der Schöpfer und der aktuelle Zweck des Aufstiegs ist. Um diese Reise zu erleben, möchte ich dich in meinen Planetary Logos Ashram auf den inneren Ebenen einladen. Du kannst diese Aufforderung nutzen, um dir zu helfen: - Lord Buddha, bitte integriere deine hohe Schwingungsfrequenz und dein Licht in meine Seele und mein ganzes Wesen. Bitte erhöhe meine Frequenz und mein Licht, damit ich deiner Energie in Einklang mit Balance deiner Schwingung begegnen kann. Wenn meine Energie in der Schwingung schneller wird, unterstützt mich dabei, alles, was ICH BIN, mit allem, was DU BIST, zu integrieren. - Auf diese Weise möchte ich eine tiefere Bindung und Verbindung mit dir erfahren und in deinen Planetary Logos Ashram in den inneren Ebenen eintreten. - Ich richte meinen Fokus auf mein Wesen, damit ich mir der Veränderung...

Mike Quinsey – 30.August 2019 - OMG

Es geschieht zum gegenwärtigen Zeitpunkt so Vieles auf der Erde, und wenn das Ergebnis so ausfällt, wie es beabsichtigt ist, dann dürftet ihr auf dem besten Weg zu sehr angenehmen Veränderungen sein. Jene Wesenheiten, die euch zum Besseren aller Menschen beeinflussen, versuchen, euch dazu zu bewegen, Schritte zu unternehmen, die eure Tage bis zum Aufstieg beschleunigen würden. Wie wir erst kürzlich erwähnt hatten, ist dazu ein Wechsel eurer Führungspersönlichkeiten vonnöten, damit ihr sicher sein könnt, dass ihr 'das Alte' hinter euch lassen könnt, um Platz für die längst überfälligen Fortschritte zu schaffen, die euch in das neue Zeitalter führen. Diese Fortschritte können nicht mehr aufgehalten werden, und wenn eure Regierungen nicht die ersten Schritte unternehmen, werden es andere tun. Wenn auch euer Schicksal in euren eigenen Händen liegt, so gibt es doch übergeordnetes ein Ziel, zu dem wir euch hinführen werden, damit ihr auf eine Zukunft vorbereitet seid, die sich wese...

David Wilcock: Positive Lebensveränderungen geschehen – Teil 3 - OMG

Positive Lebensveränderungen geschehen – Teil 3   Von David Wilcock. Notes compiled by Joan Wheaton. Übersetzt von Magdalena. Größe existiert nicht und Zeit existiert nicht. Alle vergangenen gegenwärtigen und zukünftigen Momente existieren gleichzeitig in diesem geometrischen Muster (der Merkaba). Das ist sehr trivial. Die Merkaba ist eines der grundlegendsten Schwingungsmuster. Wenn es also nur eine Form gibt, aus der das ganze Universum besteht, können wir sie aus Schwingungen heraus schaffen. Und das bedeutet, dass das Universum selbst aus Schwingung besteht, was bedeutet, dass es viel wichtiger wird, Schwingung in deine geistige Praxis zu integrieren. Heiliges Trommeln, heiliges Singen, Musik hören; Musik, die dich erhebt, das kristallisiert eigentlich deine Seele. Jetzt haben wir Wissenschaftler, die Photonen auf individueller Ebene erfassen. Sie wissen genau, wie diese Photonen aussehen. Und während sie das tun, ist dies die Form, die sie bekommen (zeigt ei...