Im 13. Jahr beschreibe ich hier meinen sprachbetonten Alltag. Ich bin Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin, arbeite mit der französischen Sprache (und aus dem Englischen). Diesen Sommer denke ich über meine Kunden nach.
Und dann war da noch der Notariatstermin, bei dem ich für eine Kollegin einspringen durfte.
Zwanzig Vertragsseiten waren vorübersetzt, die Kollegin arbeitet seit Jahren so und nutzt ein Translation-Memory-System, das die bereits übertragenen, meist standardisierten, formelhaften Begriffsverbindungen anbietet, die dann nur noch angepasst werden müssen. Für juristische Details war mal eine Anwältin hinzugezogen worden, die uns auch Grundlageninformationen über die Feinheiten des Eigentumsübergangs gegeben hatte. Das ist fürs Dolmetschen der Erklärungen wichtig.
Zusätzlich haben wir eine lang Vokabelliste. Und wenn ich lang schreibe, meine ich lang. Also sehr lang.
Beim Termin selbst wird oft verlesen. Die Verleserei dauert meist noch länger, denn viele Notare können mit simultaner Verdolmetschung nichts anfangen. Normalerweise liest der Notar alle inhaltlich zusammengehörenden Abschnitte vor, dann liest unsereiner die Übersetzung.
So auch beim letzten Einsatz. Nur, dass der Notar unerträglich genuschelt hat. Je verwaschener er sprach, ein junger Mann, er klang wie ein Schlaganfallpatient kurz vor Löffelübergabe, desto mehr hab ich die Ex-Radiofrau raushängen lassen. Saß kerzengrade über dem Steiß, hatte kurz in den Bauch geatmet, mit dem Zwerchfell kommuniziert, die Gähnspannung geübt, den Unterkiefer gelockert ... um dann mit vollem Vibrato die Mediensprecherin zu geben. Da haben sich alle die Augen gerieben! (Nur der Notar hat leider, allerhöchst selbstverliebt, meine dieser Geste innenwohnende Kritik nicht gerafft.)
Im Ernst: Die Kollegin hatte die letzte Arbeitsfassung bearbeitet. Unsereiner muss beim Verlesen auch darauf hören, ob alles vollständig ist, nichts hinzugekommen oder weggelassen wurde (das müssten wir sonst hinzudolmetschen bzw. weglassen). Bei der verklausulierten Sprache der Jurisprudenz, die einen Duktus pflegt, als trügen sämtliche ihrer Vertreter noch die Ärmelschoner aus den Amtsstuben vergangener Jahrhunderte, ist das wahrlich keine einfache Aufgabe. Kurz: Mit dem Nuschler war der Einsatz noch anstrengender als sonst.
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Illustration: Eigene Bearbeitung (hist. Vorlage)
Und dann war da noch der Notariatstermin, bei dem ich für eine Kollegin einspringen durfte.
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| Staatsdiener am Stehpult |
Zusätzlich haben wir eine lang Vokabelliste. Und wenn ich lang schreibe, meine ich lang. Also sehr lang.
Beim Termin selbst wird oft verlesen. Die Verleserei dauert meist noch länger, denn viele Notare können mit simultaner Verdolmetschung nichts anfangen. Normalerweise liest der Notar alle inhaltlich zusammengehörenden Abschnitte vor, dann liest unsereiner die Übersetzung.
So auch beim letzten Einsatz. Nur, dass der Notar unerträglich genuschelt hat. Je verwaschener er sprach, ein junger Mann, er klang wie ein Schlaganfallpatient kurz vor Löffelübergabe, desto mehr hab ich die Ex-Radiofrau raushängen lassen. Saß kerzengrade über dem Steiß, hatte kurz in den Bauch geatmet, mit dem Zwerchfell kommuniziert, die Gähnspannung geübt, den Unterkiefer gelockert ... um dann mit vollem Vibrato die Mediensprecherin zu geben. Da haben sich alle die Augen gerieben! (Nur der Notar hat leider, allerhöchst selbstverliebt, meine dieser Geste innenwohnende Kritik nicht gerafft.)
Im Ernst: Die Kollegin hatte die letzte Arbeitsfassung bearbeitet. Unsereiner muss beim Verlesen auch darauf hören, ob alles vollständig ist, nichts hinzugekommen oder weggelassen wurde (das müssten wir sonst hinzudolmetschen bzw. weglassen). Bei der verklausulierten Sprache der Jurisprudenz, die einen Duktus pflegt, als trügen sämtliche ihrer Vertreter noch die Ärmelschoner aus den Amtsstuben vergangener Jahrhunderte, ist das wahrlich keine einfache Aufgabe. Kurz: Mit dem Nuschler war der Einsatz noch anstrengender als sonst.
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Illustration: Eigene Bearbeitung (hist. Vorlage)

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